Von 7.-13. Oktober reisten 13 Schülerinnen und Schüler des Werner-von-Siemens-Gymnasiums im Rahmen eines zum ersten Mal durchgeführten Schüleraustausches mit Dijon unter Leitung von Frau Ruhfaß und Herrn Schrader in die Hauptstadt des Burgunds.


Seit Februar konnten wir es kaum erwarten, unsere Partnerinnen endlich in Dijon zu besuchen und ihre Familien kennenzulernen. Am Dienstag kamen wir nach zehn Stunden mit zweimaligem Umsteigen in Frankfurt und Basel - und einigen Kofferproblemen, da manche wohl für einen ganzen Monat gepackt hatten… - mit dem blitzschnellen TGV (mit bis über 300km/h), am Hauptbahnhof Dijon an. Nach einem relativ entspannten Abend, an dem wir schon einige Eindrücke gewinnen konnten, gingen wir voller Erwartungen auf den nächsten Tag schlafen. Bevor wir am nächsten Morgen von der Schulleitung empfangen wurden – bei einem leckeren Frühstück, wo auch Croissants und patés de fruits nicht fehlten, überreichten wir der Schulleitung eine bayerische und eine Regensburger Fahne sowie einen Jahnschal – schließlich sind auch die Dijonnais begeisterte Fans des FCO Dijon. Die stellvertretenden Schulleiter M. Pouilly et M. Rémont schienen überrascht zu erfahren, was unsere weiß-blaue Rautenfahne mit Griechenland zu tun hat. Viele von uns waren bereits zu diesem Zeitpunkt müde - die französischen Schülerinnen und Schüler pendeln nämlich meist aufgrund der Entfernung ihres Wohnorts im Großraum Dijon häufig weit zum Lycée Simone Weil, einer Art berufsvorbereitender Schule mit sozial-kaufmännischer Ausrichtung. Während der anschließenden Schulführung konnte wir sehen, was es in unserem Schulsystem bzw. an unserem Schultyp nicht oder nicht in der Form gibt:
- den CDI - Centre de documentation et d’information mit vielen, sehr altersgerechten Büchern, Magazinen, Zeitungen, Internetzugang und einem ausgebildeten documentaliste, der den Schülern beim Recherchieren hilft
- einen Fitnessraum im Keller
- die Ausbildungsräume in den Bereichen – Kinder- und Altenpflege, Großküchen, Verkauf/Einzelhandel/Dekoration, Handwerk, v.a. Zweiradmechaniker etc.
- zahlreiche Computerräume und –arbeitsplätze – jeder Raum hat Beamer, Internetanschluss und Tafel
- das meist studentische Aufsichtspersonal für Vertretungen etc., die surveillants
- die salles de permanence = Aufenthaltsräume
- eine Kantine für (fast) alle Schüler, wo viele von uns ihre Mittagsmahlzeiten einnahmen; das Essen wir von Köchen vor Ort zubereitet
- eine Sporthalle im 4. Stock.
Anschließend bearbeiteten wir gemeinsam Fragen einer Rallye im Stadtzentrum.
Am Donnertag stand regulärer Unterricht mit den Partnerinnen auf dem Programm. (Manche Stunden wirkten länger als andere). Nachdem der Mensa machten wir uns auf den Weg in die Maison de l’architecture, de l’environnement et de l’urbanisme, wo eine Architektin eine sehr anschauliche und verständliche Powerpointpräsentation zur Geschichte und Stadtentwicklung Dijons hielt. Im Anschluss zeigte sie uns Bauwerke im Stadtzentrum, die in der Vergangenheit bzw. Gegenwart politische Macht repräsentier(t)en. Einige davon werden in Zukunft eine Umstrukturierung erfahren, weil die Zahl der Regionen in Frankreich im Rahmen der von der EU geforderten innenpolitischen Reformen von 22 auf 13 reduziert wurde. Demnach wird das Burgund mit der jetzt noch eigenständigen Region Franche-Comté verschmolzen. Die große Zeit des Burgunds war im Mittelalter, als die Region Besitzungen bis nach Flandern aufwies und der burgundische Herzog es mit dem französischen König aufnehmen konnte. Aus dieser Zeit stammt der Palais des Ducs und die Tour de Bar, von wo man einen herrlichen Blick auf die Ebene und Hügelketten, die Dijon umgeben, ebenso genießen kann wie die Aussicht auf die ganze Stadt, deren Großraum mehr als 250 000 Menschen umfasst.
Den Freitag verbrachten wir ohne unsere Partnerinnen und Partner in dem sehr bürgerlichen, hübschen und mittelalterlichen Städtchen Beaune, das nur eine halbe Stunde mit dem Zug von Dijon entfernt liegt. Dort besichtigten wir das ehemalige Armenhospiz „Hôtel Dieu“, welches für seine bunten Dächer, die typisch für die Bourgogne und für Flandern sind, bekannt ist. Das Wochenende verbrachten wir bei unseren Partnerinnen. Viele von uns waren am Samstag oder Sonntag im Toison d’Or, dem größten Einkaufszentrum, um zu Bowlen oder Lasertag zu spielen.
Am letzten Tag, dem Montag, hatte M. Morel eine Präsentation zur Bourgogne vorbereitet. Gott sei Dank war der Besuch des Musée archéologique de Dijon optional, so dass wir den letzten Tag auch ohne Museumsbesuch im Stadtzentrum verbringen durften. Nachmittags wurde uns von Mme Maur, Frau Ruhfaß und Herrn Schrader die Aufgabe gestellt, aus bunten Plastikflaschendeckeln eine Collage zum Thema „deutsch-französische Freundschaft“ zu basteln. Die konnten unsere Gastfamilien ein paar Stunden später – am Abschlussabend – bewundern. Außerdem wurden Erinnerungen an unsere erste Begegnung in Regensburg wach, zum Teil mit, wie wir meinten, peinlichen Fotos und Videos!! Den Rest des Abends verbrachten wir in der Mensa und ließen ihn mit regionalen Spezialitäten und vielen, vielen Selfies (die Franzosen lieben selbige) ausklingen. Der Abschied am Bahnhof fiel uns Tags darauf allen sehr schwer, doch nach etlichen Umarmungen saßen wir dann doch irgendwann im Zug. Wir glauben, in einem Punkt sind sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: Es war zwar anstrengend, und wir mussten Unterrichtsstoff nachholen, aber Dijon war die Reise wert. Alle stimmen wzar überein, dass so lange Schultage nicht wünschenswert sind. Dafür war die Gastfreundschaft umso beeindruckender: Wer bekommt schon mehrere Flaschen seines Geburtsjahrgangs besten burgundischen Weins in den Koffer gepackt?

Voilà le Lycée Simone Weil en ligne: http://www.lycee-simoneweil-dijon.fr/

L. Feig/F. Rieger/M.Rufaß

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