Deutsch-französischer Austausch vom 31.3.-06.4.2014 mit dem Collège Francis Carco und dem Lycée Savignac/ Villefranche-de-Rouergue - Besuch der französischen Gruppe in Regensburg

Nach ca. 20stündiger und wohl nervenaufreibender Fahrt kamen unsere Gäste am Montagabend schließlich an der Tiefgarage unserer Schule an: Sie hatten ihr Ziel endlich erreicht, viele zum zweiten und drei von ihnen zum dritten Mal! Die Spannung war groß, wer da nun eigentlich eine Woche zu Gast sein sollte. Alle wollten möglichst schnell die Austauschpartner sehen. Das war bei 39 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – ein bisheriger Rekord – gar nicht so einfach, denn es herrschte überall großes Gedränge im, um und am Bus, und wir kannten unsere Partner nur von Fotos. Die französischen Schülerinnen und Schüler wirkten zunächst etwas ängstlich und klammerten sich an ihre Koffer und Taschen, sobald sie sie bei dem ganzen Durcheinander gefunden hatten.

Am Dienstag, dem eigentlichen 1. Tag, blickten wir morgens in müde Gesichter. Unsere Französischlehrerin hatte uns erklärt, dass Franzosen in der Regel nicht viel zum Frühstück essen, vielleicht ein bol Milch, Kaba oder Tee und ein Stück Baguette – manchmal mit Butter oder Marmelade - oder eben einen Keks. Dies traf meist bei vielen auch so zu. Am Siemensgymnasium bekamen sie dann einen ersten Eindruck von unserer Schule, mit einer Führung durch das Gebäude und einer kurzen Geographiestunde – die Jüngeren unter ihnen sind erst 11 oder 12 Jahre alt und waren möglicherweise ganz froh zu erfahren, wo sie gelandet waren. Zwei Stadtführungen in französischer Sprache mit Einblicken in die Geschichte Regensburgs sollten ihr Bild erst einmal vervollständigen – besonders viel Anklang fand in einer Gruppe eine langanhaltende Diskussion zu Details verschiedener Hinrichtungsarten im Mittelalter - warum auch nicht!?

Mittwochs durften die Gäste einige Klassen durch 4 Stunden Unterricht begleiten, und zwar in 5er- oder 6er Gruppen in den Klassen 7a/c/d/e, 8a/d und 9f. Einige stellten dabei fest, dass Schule in Bayern etwas ganz anderes ist als in Villefranche: Manche waren zum Beispiel vom Religionsunterricht irritiert und dachten, man wolle sie missionieren! Andere sagten, wir hätten viel mehr Zeit, kürzere Stunden und mehr Pausen, was sie dem eigenen System eindeutig vorzögen. Am Mittwoch war dann unser einzig wirklich freier Nachmittag unter der Woche, den viele für ausgedehnte Shoppingtouren nutzen - naja, vielleicht doch eher die Mädchen.

Unser einziger gemeinsamer Ausflug führte am Donnerstag ins oberfränkische Bamberg. Dort besichtigten wir in drei Führungen den Bamberger Dom mit dem berühmten Bamberger Reiter, die barocke Residenz mit dem Rosengarten über der Stadt, die vielen, venezianisch anmutenden kleinen Brücken und Häuser an der Regnitz, das Alte Rathaus und die schmucken Häuser und Gassen der Fußgängerzone. Gott sei Dank gab es nach soviel Sightseeing in der Bamberger Studentenmensa der Innenstadt schnell ein deftiges Mittagessen, das man mit mehr als 80 Teilnehmern nirgendwo in kürzerer Zeit hätte bekommen können. Zur Abwicklung dieser Angelegenheit erhielten wir einen gelben Punkt, damit das Mensapersonal in der Lage war, uns eine Gesamtrechnung zu erstellen: Ein hungriger Magen wartet schließlich nicht gerne. Danach durften wir in Kleingruppen durch die Stadt stromern und nach ein paar Souvenirs für die Verwandten und Freunde der Franzosen stöbern.

Freitagvormittag nahmen die französischen Schülerinnen und Schüler mit Begeisterung am Unterricht der Grundschule Sallerner Berg teil, die Grundschullehrerinnen hatten unter Leitung von Irene Hofmann sogar einen kleinen Aperitif vorbereitet. Besonders beeindruckt zeigten sich unsere Gäste von der Gruppen- bzw. Freiarbeit, die sie dort zu sehen bekamen. Sehr abwechslungsreich gestaltete sich später der bayerisch-französische Abend, an dem jede Familie sozusagen ihre eigenen Spezialitäten mitbrachte: So sorgten ein großes Buffet, unsere Jongliergruppe „Los Diabolos“, eine Akrobatik- und Tanzeinlage sowie die Band ‚Noscope‘ für äußerst gute Stimmung.

Das Wochenende in den Familien war der individuelle Schlusspunkt dieser 6 Tage, denn am Sonntag um 18h fuhr der Bus zurück nach Frankreich, und die Tränen flossen auch bei einigen deutschen Schülerinnen und Schülern reichlich - nach einer schönen und doch viel zu kurzen Woche! Wir sind jetzt natürlich sehr gespannt, was uns in Villefranche erwartet und hoffen auf ebenso gutes Gelingen!

Kristin Denz, 7a

Lioba Oetmeier 9d

u.a.

 

Frankreichaustausch – Besuch in Villefranche de Rouergue vom 13.-21.5.2014

Nach fast 18 Stunden anstrengender Fahrt – ein erfreulicher Rekord – wurden wir um 19h vor dem Collège Francis Carco von unseren Familien abgeholt. Am nächsten Morgen, Mittwoch, durfte ein Teil von uns das Collège besichtigen. Die Gruppe der 9d war parallel am Lycée Raymond Savignac, das nicht weit vom Collège Carco entfernt liegt. Anschließend fand in der Mensa ein kleiner Emfpang durch die Schulleitung statt, Mme la Principale Salvan und ihr Stellvertreter, M. Mercier begrüßten uns mit Croissants, Pain au Chocolat und Saft, am Lycée Mme la Principale Maurin und ihr Stellvertreter M. Griffe. Nur an diesem Tag nahmen wir am Unterricht teil, z.T. wird dort bereits smartboard eingesetzt. Da französische Schülerinnen und Schüler mittwoch nachmittags frei haben, waren wir an diesem Nachmittag in unseren Familien. Einige durften dann schon durch das Zentrum in Villefranche schlendern.

Donnerstag wurden wir im Rathaus der „mairie“, emfpangen – es gab Snacks und eine Spezialität der Region: eine Art Hefekranz mit Orangenblüten. Dort bekamen wir weitere Informationen zur Region und zum Departement, in dem sich Villefranche befindet, dem Aveyron - der Name stammt vom gleichnamigen Fluss. Villefranche hat donnerstags einen recht bunten Markt mit regionalen Produkten, den wir danach noch besuchen durften. Viele von uns probierten oder kauften dort einige Spezialitäten, z.B. eine Art Mangoldpuffer, die farçous, Wildschweinsalami, die ersten Erdbeeren und Kirschen der Region, gateau à la broche, das ist eine Art Nusskuchen, der an einer Stange begacken wird, galettes de sarasain - Pfannkuchen aus Buchweizenmehl - cassoulet – ein Eintopf mit Fleisch und weißen Bohnen, Gänsestopfleber, Fleischpasteten (nichts für Vegetarier :-), schwarze Trüffel, viele Sorten verschiedener Ziegen- und Blauschimmelkäse („Blauschimmel“ ist kein Pferd), Laguiolekäse aus der Milch der Aubrac-Kuh, Aligot – Kartoffelbrei mit Schmelzkäse; frisch gepresste Nussöle, Veilchenschokolade, Rotweine u.v.a.m.

Da an diesem Tag Lehrkräfte und Küchenpersonal streikten, gab es in der Kantine nur eine Art Notessen (angeblich streiken die immer dann, wenn wir kommen). Weiter ging es mit dem Bus nach St. Antonin Noble Val, einer kleinen, schönen Stadt vor einer beeindruckenden Felswand, wo wir von Mme Tabarly eine kleine Stadtführung bekamen. Auch dort konnten wir das kleine Stadtzentrum erkunden, leider waren aber viele Geschäfte zu, was daran liegt, dass die Bevölkerungsdichte im Departement ohnehin nur 10 Menschen pro Quadratmeter beträgt und viele Häuser in den Städten und Dörfern leer stehen bzw. nur in der Hauptreisezeit Juli/ August bewohnt sind. Zum Abschluss des Tages besuchten wir eine kleine Ziegenfarm mit 200 Ziegen und Zicklein.

Am Freitag stand eines der schönesten Dörfer Frankreichs, St. Cirq la Popie auf dem Programm. Viele Kirchen in Frankreich sind St. Cirq geweiht, der als Kind von 5 Jahren laut der Legende der jüngste Märtyrer des Christentums ist. Auch dieser malerisch auf einem Felsen gelegene Ort steht halb leer. Er erlebte seine Hochzeit in der Renaissance, die Häuser schmiegen sich in den engen, z.T. steilen Gassen aneinander und schmücken sich mit Holzbalkonen, Erkern, wunderbaren Glasfenstern, pitoresken Gärten und Türmchen. Von dort oben kann man den Blick in das steil abfallende Lottal schweifen lassen, das sich durch schroffe Felswände und unzählige Höhlen charakterisiert. Zur Zeit der Revolution lebten dort sage und schreibe 17 Menschen und auch heute ist der Ort nur im Sommer gut besucht. Rocamadour (ja, der Käse von dort heißt auch so), das wir anschließend sehen durften, liegt wie St. Cirq auf einer Variante des Jakobweges nach Santiago de Compostella, der bekannterweise seit Jahrhunderten sehr gut besucht ist. So sahen wir tatsächlich vor der Kirche einen Pilger, der aber wohl die obligatorische Jakobsmuschel vergessen oder jedenfalls nicht sichtbar angebracht hatte. St. Cirq gehört zu den „plus beaux villages de France“, von dem es in der Region überdurchschnittlich viele gibt. In diesen Dörfern sind keine sichtbaren Antennen und Kabel erlaubt, um den mittelalterlichen Eindruck zu erhalten. Anschließend fuhren wir weiter nach Pech Merle, einer Tropfsteinhöhle  mit prähistorischen Höhlenmalereien von Steinzeitmenschen während der Eiszeit: Mammuts, Pferde, Handabrücke, Kreise, Dreiecke und sogar Zeichnungen von Menschen sind dort zu besichtigen. Die Höhlenforscher haben ausgerechnet, wie viele Menschen und Licht pro Jahr diese Höhle aushält, ohne dass die Malereien Schaden nehmen. Dort ist auch die Wurzel einer Eiche zu sehen, die 12m tief in die „Erde“ geht, wobei 4m davon in der Höhle zu sehen sind. Nach Pech Merle ging es weiter nach Rocamadour, das ebenfalls schon immer ein beliebter Wallfahrtsort war. Hier lernten wir, dass, wer sich für einen Platz im Paradis interessiert, den ganzen oder Teile des Jakobsweges ohne Schuhe und in Ketten absolvieren kann und dann u.U. „lebenslängliches Paradies“ zugesprochen bekommt. Wir sind aber trotzdem froh, dass wir mit dem Bus, u.v.a. mit dem bis dato sicher unterhaltsamsten Busfahrer da waren: „Wie viele Blondinenwitze gibt es? – Keinen, die sind alle wahr!“

In der kleinen Stadt konnten wir uns eigenständig auf den Weg machen. Am Wochenende unternahmen wir mit den Familien sehr unterschiedliche Ausflüge.

Toulouse war der einzige gemeinsame Ausflug am Montag mit "unseren" Franzosen. Da wir schon fast am Ende der Woche angekommen waren, gab es kaum noch Verständnisprobleme, der sehr charmante accent du Midi „bongjour“ war uns schon so vertraut, dass wir anfingen, selbst so zu sprechen. Bei der Führung konnten wir einige repräsentative Räume im Rathaus, das in Toulouse „le Capitole“ heißt, von innen sehen. Dort gibt es impressionistische Malereiern, z.B. die 4 Jahreszeiten und weitere Wandgemälde aus dem 19. Jahrhundert. Außerdem besichtigten wir die gotische Jakobinerkirche, die aus dem für Toulouse, der „ville rose“, typischen roten Ziegelsteinen errichtet ist. Sie verfügt über ein sehr berühmtes Palmengewölbe und einem mittelalterlichen Kreuzgang und ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Die Dominikaner gestalteten diese Kirche als Predigerkirche eher schlicht, weil sie die abtrünnigen Katharer wieder für den Katholizismus gewinnen wollten. Da die erwünschte Bekehrung durch das Wort oft nicht funktionierte, mussten Tausende von Katharern in den Flammen sterben, weil sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. Nach dieser Führung picknickten wir am Ufer der Garonne auf einer großen Wiese und stärkten uns für unsere immerhin 2 Stunden andauernde Shoppingtour. Dafür schlossen wir uns zu deutsch-französichen Gruppen zusammen und zogen los, um die zwei Stunden Freizeit gut zu nutzen. Erschöpft sind wir danach nach Villefranche zurück gefahren. 

Auch dann konnten uns nicht ausruhen, sondern mussten weiter zu dem sehr gelungenen deutsch-französischen Abschlussabend, wo viel gesungen und getanzt wurde. Leider war er sehr kurz und so blieb nicht sehr viel Zeit, um Tschüss zu sagen. Das konnten wir am nächsten Morgen gehörig nachholen. Beim Abschied wurden wie schon in Regensburg sehr viele Tränen vergossen, drama baby! Viele haben mit ihren Partnern vereinbart, sich bald gegenseitig zu besuchen, was auch hoffentlich klappt.

Die Zeit war leider viel zu schnell vorbei. Die Woche in Frankreich war wunderschön, sehr aufschlussreich und eine echt einmalige Erfahrung.

Wir können außerdem nur jedem empfehlen, dieses Region in Südwestfrankreich selbst zu entdecken. Sie hat noch viel mehr zu bieten!

8ad, Hannah Weigert et al.