Seit vielen Jahren ist es am Werner-von-Siemens-Gymnasium Tradition, den deutsch-französischen Tag sowohl in den Französischklassen als auch mit der Schulfamilie zu begehen.
Je nach Alter und Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler informieren die Französischlehrkräfte in ihren Unterrichtsstunden über die Bedeutung dieses Tages.

Wenn möglich, wird auch ein ganz besonderes Ereignis geboten. In diesem Schuljahr fand es aus terminlichen Gründen etwas vorgezogen bereits am 11. Dezember 2018 statt, als der französische Sprach- und Bildungsattaché, Monsieur Louis Marandet, unserer Schule seinen Besuch abstattete.

Eine ganze Unterrichtsstunde nahm er sich für einen kurzen Vortrag und eine anschließende Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern der Französischkurse in der Q11 und Q12 Zeit.

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Ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen betonte Monsieur Marandet, wie wichtig es sei, dass die heutigen Jugendlichen eine gewisse Vertrautheit mit dem Nachbarland haben, dass sie dessen Sprache sprechen, die Kultur des Nachbarlandes verstehen.
Er schilderte lebhaft, wie in München bereits Kleinkinder im Kindergarten mit der französischen Sprache vertraut gemacht werden, wie schnell es zur Selbstverständlichkeit wird, mit der Sprache zu leben. Schließlich schlug er noch einen Bogen von der deutsch-französischen Freund-schaft zur Gesamtheit der französischsprachigen Staaten (Frankophonie). Auf Nachfrage der Schülerinnen und Schüler erläuterte er seine Aufgaben als Sprach- und Bildungsattaché und hob die Bedeutung des Institut français hervor, wobei er auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Unterstützung für Französischschülerinnen und -schüler darstellte. In diesem Zusammenhang verwies er auf die vielfältigen Austauschmöglichkeiten mit Frankreich, die unter anderem vom deutsch-französischen Jugendwerk, französisch OFAJ, angeboten werden.
Da zum Zeitpunkt des Besuchs von Monsieur Marandet die Gelbwestenbewegung (les gilets jaunes), eine der größten Protestbewegungen in Frankreich der letzten Jahre, ihren Höhepunkt erreichte, ging er natürlich auch auf diese aktuelle Entwicklung ein und erläuterte den Zuhörern die Beweggründe der Protestierenden, so dass sie einen guten Einblick in die aktuelle gesell-schaftliche und politische Situation unseres Nachbarlandes bekamen.

Nachdem sich Monsieur Marandet im Rahmen der Podiumsdiskussion vom beeindruckenden sprachlichen Niveau unserer Oberstufenschüler überzeugen hatte können, wollte er anschließend – sozusagen im Kontrast dazu – erleben, wie sich der Anfangsunterricht im Fach Französisch in der 5. Klasse gestaltet. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5b, die Französisch als erste Fremdsprache lernen, erwarteten gespannt Monsieur Marandets Besuch – für viele von ihnen der erste Kontakt mit einem „echten“ Franzosen. Mit entsprechend vielen Fragen durchlöcherten die Schülerinnen und Schüler ihre Französischlehrerin Frau Schmid im Vorfeld – die Legendenbildung ging sogar so weit, dass ein Fünftklässler mutmaßte, dass vielleicht der französische Präsident Macron persönlich vorbeikäme, um sich von ihren Französischkenntnissen zu überzeugen … Die Anspannung wich jedoch schnell der Begeisterung, als sich der charismatische Kulturattaché auf Französisch der Klasse vorstellte: „J’habite à Munich, mais je suis de Paris. J’ai deux filles …“ – all das verstanden die Schülerinnen und Schüler trotz ihrer wenigen Wochen Französischunterricht perfekt, so dass von Beginn an das Eis gebrochen war. Im Anschluss setzte sich Monsieur Marandet, dem Schülernähe offensichtlich ein Anliegen war, jedoch erst mal mitten unter die Fünftklässler, um sie im Französischunterricht zu erleben.

Er zeigte sich tief beeindruckt vom Engagement und der Motivation der Schülerinnen und Schüler – so beeindruckt, dass er die Klasse spontan einlud, ihn im Sommer in München im Institut français zu besuchen. Bei der abschließenden Fragerunde – dieses Mal dann doch auf Deutsch – konnten die Schülerinnen und Schüler nun endlich ihre vielen Fragen stellen, die Monsieur Marandet allesamt äußerst freundlich und humorvoll beantwortete, so dass ihn die Klasse am Ende kaum ziehen lassen wollte.
Der Besuch des Kulturattaché wird für unsere Französischschülerinnen und –schüler mit Sicherheit als etwas Besonderes in Erinnerung bleiben, zeigt er doch "gelebte deutsch-französische Beziehungen".