Die Schüler des Regensburger Werner-von-Siemens-Gymnasium haben die "Junior-Coach"-Ausbildung erfolgreich absolviert.

Jugendliche engagieren sich nicht? Sie wollen keine Verantwortung übernehmen? Von wegen! Am Werner-von-Siemens-Gymnasium, einer Stützpunktschule für Fußball, die durch dieses spezielle Angebot längst sogar Schüler anlockt, durchlief inzwischen der zweite Lehrgang unter der Regie von Schulleitungs-Mitglied Günter Hödl die 40 Trainingseinheiten zum "DFB-Junior-Coach". Das runde Projekt macht Schule und wäre generell ein probates Mittel gegen den Mangel an qualifizierten Trainern im Nachwuchsbereich. Das Goethe-Gymnasium meldete ebenfalls schon Vollzug und "am Albertus-Magnus-Gymnasium ist es für nächstes Jahr geplant", so Hödl. Bei der Übergabe der Urkunden waren neben Jahn-Sportchef Christian Keller und dem BFV-Bezirksvorsitzenden Max Karl auch Vereinsvertreter der DJK 06, SG Walhalla sowie aus Kareth und Burgweinting anwesend. "Mancher 30-, 40-, 50-Jährige übernimmt nicht so viel Verantwortung für andere wie ihr mit 16, 17 oder 18", zollte Keller stellvertretend für alle seinen Respekt und scherzte: "Wer weiß, vielleicht wird einer von euch ja mal der Jahn-Trainer sein."


"Du lernst es, viel Geduld zu haben"

Mit Andreas Güntner (26), Profi des SSV Jahn Regensburg, gibt es ein durchaus prominentes Beispiel, das das Programm durchlief, als es noch kein Junior-Coach-Diplom gab. "In der siebten und achten Klasse habe ich selbst gespielt, danach blieb ich als Co-Trainer dabei", sagt er. "Das hat mir viel gebracht. Du brauchst ganz viel Geduld, weil es immer anders läuft, als es der Trainer will. Und du bekommst viel Menschenkenntnis, weil jedes Kind anders reagiert", sagt der 26-Jährige. Die 21 aktuellen Fünftklässler jedenfalls freuten sich über den Besuch der Prominenz, der empfahl den Junior-Coaches gut zuzuhören. Mit Simon Seitz (18), der bei der DJK 06 selbst spielt und beim FC Tegernheim F-Junioren coacht, gab der älteste der Lehrgangsteilnehmer Auskunft über seine Motivation. "Ich mache das, damit ich den Kindern etwas beibringen kann. Es ist erfüllend, wenn man das sieht. Ich habe hier extrem viel gelernt. Herr Hödl zeigt uns, wie man eingreifen muss und hat achtgegeben, dass wir auch variieren." Die Premiere-Absolventen des DFB-Junior-Coaches stehen vor dem nächsten Schritt. "Von 20. bis 25. September steht die Prüfung für die C-Lizenz an. Dann hat sich der Kreis geschlossen: Sie kamen in der fünften Klasse als Spieler an den Stützpunkt und gehen in der 12. Klasse mit dem Trainerschein raus", berichtet Hödl.

Sogar am Feiertag wird gebüffelt

Gelernt wird immer freitags, wenn der normale Schüler ins Wochenende geht. Das spricht Bände. Gibt's keine Hänseleien der Schulkameraden? "Ach, es gibt Wichtigeres. Das sind die, die keinen Fußball spielen oder so tun, als wüssten sie alles", sagt Seitz, der demnächst Abitur schreibt. Wir da die Zeit nicht knapp? "Dann geht man halt einmal weniger weg", grinst der 18-Jährige. "Für die C-Lizenz treffen wir uns demnächst sogar an einem Feiertag", sagt Hödl. "Das war der Vorschlag der Schüler." Von wegen kein Engagement und keine Verantwortung. 

Quelle:            Claus-Dieter Wotruba, Mittelbayerische Zeitung, 23. April 2015