Einmal die Rolle des Stadtführers übernehmen, ein auf eine Gruppe junger Menschen zugeschnittenes Programm für eine mehrtägige Parisreise entwickeln, eine passende Route für einen thematischen Spaziergang ausarbeiten und schließlich einen professionellen Reiseführer erstellen: Dies waren die Herausforderungen, denen sich die Seminarteilnehmer im P-Seminar Paris stellten. Der Realitätstest war dann die Parisreise im Juli 2017, bei der sich die Seminarteilnehmer in der französischen Metropole in ihrer Rolle als Stadtführer erproben konnten und gleichzeitig Material für den geplanten Reiseführer sammelten.

Das P-Seminar Paris gliederte sich prinzipiell in zwei Teile: Während in 11/2 die konkrete Planung und Durchführung der Parisreise im Vordergrund stand, widmeten wir uns in 12/1 der Gestaltung unseres Reiseführers. Zu Beginn des Seminars standen nach einer thematischen Hinführung und der Definition der Ziele zunächst die Teambildung und die Wahl der Themenschwerpunkte im Zentrum. In Zweierteams entwickelten die Schülerinnen und Schüler anschließend Stadtführungen zu einer breiten Palette unterschiedlich gelagerter Themen. Ziel war es, neben „Klassikern“ auch Programmpunkte aufzunehmen, die sich deutlich von herkömmlichen Städtereisen absetzen. Das Spektrum reichte von der Ausarbeitung einer Route für eine geführte Fahrradtour durch das Quartier Latin über einen Street Art-Spaziergang durchs Marais bis hin zu einer professionellen Führung quer durch die Pariser Katakomben. Neben der inhaltlichen Recherche, dem Erwerb fundierter Fachkenntnisse und der gezielten Auswahl relevanter Inhalte, die für die einzelne Stadtführung interessant sein könnten, setzten sich die jeweiligen Teams auch mit vielen praktischen Fragen auseinander: Wie funktioniert das Leihrad-System vélib? Welche Leihrad-Station bietet sich als Ausgangspunkt an, damit für die große Gruppe garantiert eine ausreichende Zahl an Rädern vorhanden ist? Welche Route verläuft auf sicheren Radwegen? Wie muss ich meinen Spaziergang durch Montmartre gestalten, um wirklich erst nach Einbruch der Dunkelheit vor dem nachts besonders eindrucksvollen Moulin Rouge zu stehen? Welche Öffnungszeiten, Buchungsmodalitäten und Wegstrecken gilt es zu beachten? Mit Unterstützung der Kursleiterin Frau Schmid erarbeiteten die Seminarteilnehmer Dossiers und planten detailliert den von ihnen zu gestaltenden Programmpunkt und die einzelnen Stationen ihrer Führung. Um die Reisekasse aufzubessern, organisierte das Seminar mit viel Engagement ein Buffet voller französischer Köstlichkeiten für den französischen Abend im Rahmen des Schuljubiläums, das sehr großen Anklang beim Publikum fand.

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Besonders hilfreich für die zukünftigen Stadtführer war die Schulung durch den kompetenten externen Experten Herrn Martin Reich. Herr Reich, der unter anderem die Stadtführer der Regensburger „Stadtmaus“ ausbildet, coachte die Seminarteilnehmer einen Nachmittag gezielt und vermittelte ihnen nicht nur auf eindrucksvolle Weise, welche Aspekte es bei der inhaltlichen Gestaltung einer Stadtführung zu beachten gilt (Spannungsbogen etc.) und welche praktischen Punkte bedacht werden müssen (z.B. Wo kann ich ohne allzu große Beeinträchtigung durch Verkehrslärm etc. referieren?), sondern führte mit ihnen auch praktische Übungen zur Körpersprache und Rhetorik durch, so dass auch allgemeine Präsentationstechniken geschult wurden. Ein lehrreicher, inspirierender und kurzweiliger Nachmittag, im Laufe dessen die Schüler Kompetenzen erwarben, die ihnen bei der Ausgestaltung und Umsetzung ihrer Stadtführungen von großem Nutzen waren, und die sie im Verlauf des Seminars ständig weiterentwickeln konnten.

Unabhängig von dieser passgenauen Schulung, der exakten Vorausplanung und dem Erproben der Vorträge zu Hause vor der Gruppe, deren Feedback wertvolle Anregungen für Verbesserungen lieferte, stellte die Situation in Paris dann das jeweilige Team trotzdem immer wieder vor neue Herausforderungen: die Koordination der Gruppe an belebten Stellen, das permanente Bündeln der Aufmerksamkeit der Zuhörer, Verkehrslärm und sommerliche Hitze – all dies waren Herausforderungen, die es zu meistern galt. Bei einzelnen Themen konnten Details sogar erst vor Ort endgültig präzisiert werden: So musste das Team, das sich mit der sich permanent verändernden Street Art-Szene auseinandergesetzt hatte, erst in Paris endgültig abklären, welche der Werke sie tatsächlich auffinden und in ihren Rundgang mit einbeziehen konnten. Von den qualitativ hochwertigen, höchst informativen Vorträgen profitierten übrigens nicht nur die Seminarteilnehmer selbst, sondern auch eine Reihe von Schülerinnen und Schüler aus den zwei regulären Q11-Französischkursen, die neben den Mitgliedern des P-Seminars an der Studienfahrt teilnahmen.

Nach der Rückkehr aus Paris und einer ausführlichen schriftlichen und mündlichen Evaluation der Studienfahrt widmeten wir uns der gemeinsamen Erstellung eines Reiseführers. Dies umfasste die Redigierung und Überarbeitungder Textbeiträge, die Festlegung des Layouts, die Integration des Bildmaterials inclusive der erforderlichen Bildbearbeitung und schließlich eine sorgfältige Endredaktion. Inspirieren ließen wir uns dabei auch während eines Besuchs der Reisebuchhandlung Freytag & Berndt, deren Mitarbeiter uns einen Nachmittag lang freundlicherweise nicht nur Einblicke in die Unternehmensstruktur gaben, sondern uns auch über die Gestaltung und den Vertrieb von Reiseführern und Kartenmaterial informierten. So entstand am Ende des P-Seminars ein anspruchsvoller, optisch ansprechender Reiseführer, auf den alle Seminarteilnehmer zu Recht stolz sein können, und der gleichzeitig eine Reise voller nachhaltiger Eindrücke dauerhaft dokumentiert.

Lucia Schmid

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